Mundartnachmittag 2026

Auf Einladung des Heimatvereins gönnten sich viele Hülser Mundartfreunde am Sonntag (27.09.2026) im Heinrich-Joeppen-Haus „En Mönke voll Platt“.

Gleich zu Beginn stellt Indra Kopp klar, dass es in Hüls nur eine Amtssprache gibt, nämlich die Mundart. „We-i kolle Plott“ singt sie, und alle folgenden Akteure folgen diesem Appell nur zu gern. Ludwig Appelhans schildert die Machtlosigkeit eines auswärtigen Lehrers, der eine Hülser Klasse unterrichten soll, aber nur Hochdeutsch beherrscht. Die Kinder geben spontan Nachhilfe und machen den geplagten Pädagogen mit wenig schmeichelhaften Spitznamen vertraut. Walter Hermes besingt die schönen Seiten von Hüls, seinen Bewohnern und der eigenwilligen Sprache, mit der Fremde nicht auf Anhieb klarkommen.
Im nächsten Themenblock geht es um Namen. Bernhard Funger widmet sich einer durchaus typischen Alterserscheinung, und zwar dem sprachlichen Phänomen, dass immer mehr Namen durch das Wörtchen „Denges“ ersetzt werden. Auch beim zufälligen Treffen mit einem Bekannten fällt der Groschen oft reichlich spät. Ludwig Appelhans singt von „Schräjen Vü-ejeln“, von denen es auch in Hüls einige gibt. Er nennt sogar Namen, die den meisten sehr bekannt vorkommen. Auf die Rennbahn begibt sich Walter Hermes, der das Schicksal eines Jockey-Lehrlings schildert, der bedauerlicherweise Angst vor Pferden hat und deren Rücken regelmäßig unfreiwillig verlässt. Beim Rennen nennt er sich Ruppenduppes, der mit seinem Gaul „Uerije Prum“ aber knapp dem siegreichen „Lauschipper“ den Vortritt lassen muss.
Im religiösen Teil schlüpft Indra Kopp in die Rolle des Kirchenhahns, der aus lichter Höhe stets den Überblick über das Geschehen im Ort hat. An Fußwallfahrten nach Kevelaer erinnert Hubert Kopp. Da ging es oft sehr weltlich zu, trotz der geistigen Leitung durch Kaplan van Kück. Ein anderer Kaplan ist es, der ausgerechnet in Hüls seine erste Predigt halten muss. Der gute Mann ist, erzählt Karl Heußen, reichlich nervös und besorgt sich bei „Lauenseck“ ein Beruhigungsmittel, das allerdings hochprozentig ist. So unterlaufen Hochwürden einige kleine Fehler: Kain beispielsweise ist bekanntlich erschlagen und nicht erschossen worden. Ein Samariter hat Jesus in seiner Not geholfen und keinesfalls ein Dalmatiner.
Waltrud Hybel und Hubert Kopp reden bei ihrer Diskussion über eine Uhr vor lauter Hörschwäche aneinander vorbei. Karl Heußen berichtet über die Kuckucksuhr, die die Erbtante als Souvenir aus dem Schwarzwald mitbringt, aber bald ihren Geist aufgibt. Der Schwindel mit dem Tonband fliegt natürlich auf.
Immer wieder ein Thema ist die Gesundheit. Waltraud Hybel und Indra Kopp setzen auf Stachelbeerwein der Marke „Hülser Berg Sonnenseite“, von dem man garantiert keine Kopfschmerzen bekommt. Das Geheimnis kommt aus dem bereits erwähnten Haus „Lauenseck“: Der erfahrene Drogist hat das Getränk in weiser Voraussicht mit reichlich Tabletten versetzt. Bernhard Funger erinnert an die seligen Zeiten, in denen man nach dem Kaffee das erste Bier öffnete. Heute greift man stattdessen zur Pillendose. Dieter May bekommt gegen seine Sommergrippe angeblich Viagra, das sich aber als Hustenbonbon entpuppt.
Walter Hermes erinnert an erste amouröse Abenteuer in der Gartenlaube, Bernhard Funger hat sich genau in Hüls umgeschaut und dabei sein Lieblings-Schlagloch gefunden. Ludwig Appelhans trauert dem Freibad hinterher, in dem Generationen unfallfrei geschwommen sind, bis die Bürokratie das untersagte, weil man seinen Bauch nicht sehen konnte.
Das Thema Besuch beendet den kurzweiligen Nachmittag. Wenn der sofort beim Eintritt um Schnaps und Bier bittet, bleibt er gewiss länger, weiß Hubert Kopp. Waltraud Hybel versucht sich an einer Wegbeschreibung durch Hüls für Auswärtige.
Am Ende kam tatsächlich Besuch, und zwar von den Tratschtanten Bernhard Schauws, Armin Kaufmann, Lukas Hüllbusch und Udo Rungelrath. Sie proben für das Theaterstück „Hamlet“, bleiben aber zum großen Gaudi der Besucher immer wieder bei bekannten Hülser Phänomenen hängen. Da stellt sich zum Beispiel die Frage, wie St. Martin Anfang November trotz Messerverbot die Mantelteilung hinkriegt. Zum Schluss stellen die Tratschtanten eindrucksvoll ihre pazifistische Gesinnung unter Beweis: „Schwerter zu Breetlook“ fordern sie unter dem Beifall der Gäste.
Besinnlich wird es, als Walter Hermes die Besucher mit dem Lied „Neit tesame und Adschüss“ auf den Heimweg schickt. Kein Zweifel: Die Hülser pflegen auch weiterhin mit Hingabe ihre Mundart, tragen „Öt Hatt op de Tong“ und freuen sich schon jetzt auf den von Hubert Kopp organisierten Mundartabend im kommenden Herbst.

HEINER DECKERS

 

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