Oktober 2025

Mundartnachmittag 2025

Mundartnachmittag 2025

Der Hülser trägt bekanntlich gern sein Herz auf der Zunge. So wollte der Beifall nach dem Mundartnachmittag des Heimatvereins unter dem Motto „Öt Hatt op de Toung“ auch gar kein Ende finden. Als Indra Kopp im vollbesetzten Heinrich-Joeppen-Haus gleich zu Beginn in ihrem Lied „En Mönke voll Plott“ anmerkte, dass die Hülser Mundart mehr als nur eine Sprache sei, sondern vielmehr ein „Jeföhl“, hatte sie das Publikum gleich auf ihrer Seite.
Walter Hermes und Willi Lufen machten sich Gedanken über den Schreibtisch eines gewissen Herrn Schiller, seines Zeichens Dichter, der plötzlich im Angebot des Antiquars Schaller auftaucht. Schiller, das wurde im Dialog klar, hat ein Stück namens „Wilhelm Tell“ geschrieben. Nicht zu klären war die Frage, wie dieser Wilhelm auf die absurde Idee kam, seine Armbrust auf Obst anzulegen.
Nachdem Ludwig Appelhans die Gäste musikalisch über die Hülser Breetlooks-Alm geführt hatte, erklärte ihnen Bernhard Funger die Vor- und Nachteile eines modernen „Schmacht-Phones“. Wenn das Teil anzeigt, dass es draußen regnet, bleibt man halt daheim, auch wenn offensichtlich die Sonne scheint. Er selber, so Funger, schaue aus dem Fenster, aber mit dieser Haltung gerate er mehr und mehr ins Abseits.
Mit dem Wetter plagten sich auch Waltraud Hybel und Indra Kopp herum. Allerdings mehr auf grammatikalischer Ebene. Korrekt oder nicht – der Genitiv auf „Hölsch Plott“ ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Und wenn dann noch der Dativ dazukommt, geht alles vollends durcheinander.
Nachdem Armin Kaufmann mit einem Beitrag des verstorbenen Hülser Mundartdichters Linge-Lau die Zipperlein von drei betagten Herren beleuchtet hatte, präsentierten Ludwig Appelhans und Hubert Kopp „Dat neue Meddel“ gegen Grippe. Verschreibt der Arzt „Aqua Maris“, kann die kritische Ehefrau kaum etwas gegen die Einnahme sagen, auch wenn das „Meereswasser“ im Vorfeld durch Doppelkorn ersetzt wurde. Mit „Krankheete on Doukters“ plagte sich Bernhard Funger herum und beschloss nach verschiedenen Ratschlägen, woher seine Kopfschmerzen kämen, einfach zu warten, bis sie von selber wieder verschwinden.
Nach „Heimatklängen“ von Walter Hermes berichtete Willi Lufen von seinem ersten (und vermutlich letzten) „Konsertbesuch“. Da gab es sogar Musik, stellte er fest, und außerdem einen Mann mit „Stöckske“, der mutmaßlich als Dompteur fungierte. Warum es indes zwölf Geiger gab, die alle dasselbe spielten, blieb ein ungelöstes Rätsel.
Nach einem ehelichem Zwist zwischen Indra Kopp und Walter Hermes, wer denn nun einkaufen geht, berichtete Waltraud Hybel über ihren jüngsten Besuch in Kempen. In einem Schuhgeschäft habe sie die Werbung „3 kaufen – 2 zahlen“ entdeckt und vergeblich nach der Sinngebung gesucht: „Ich habe doch nur zwei Füße.“
Willi Lufen und Bernhard Funger philosophierten über Sinn und Zweck von Stammbäumen, Ludwig Appelhans berichtete über die Erlebnisse von „Sees Frönde“, darunter fünf Junggesellen. Kulinarisch ging es zu, als Waltraud Hybel und Hubert Kopp sich über das Thema „Broan-eärpel“ ausließen. Nach einem Hin und Her über Mehrzahl und Geschlecht von Bratkartoffeln resigniert der Ehemann und macht sich auf den Weg nach Haberstroh: „Da jibt es leckere Prumetaat“. Bei deren Genuss unter freiem Himmel, fügte Armin Kaufmann in einem weiteren Beitrag hinzu, müsse man höllisch auf lästige Wespen achten, was bisweilen mit heftigen Löffelschlägen in die Sahne ende.
Spätestens, als alle Akteure abschließend „Höls ös dat Örtche“ vortrugen, war klar, dass „Plott“ sich hier nach wie vor größter Beliebtheit erfreut – auch dank der von Hubert Kopp jährlich organisierten Mundartabende.

Text : Heiner Deckers

Kulturherbst 25 – Niederrhein in Farbe

Kulturherbst 2025 – Niederrhein in Farbe

„Der Niederrhein in Farbe“ hieß der Film, den der Heimatverein jetzt in seiner „Kulturherbst“ Reihe zeigte.

Die Zuschauer in der vollbesetzten Konventskirche machten sich auf eine gut zweistündige Schiffsreise von Königswinter bis hinter die niederländische Grenze und waren beeindruckt: Sie sahen über 100 Jahre altes Filmmaterial, sorgsam digitalisiert und teilweise mithilfe einer Lippenleserin sogar vertont.

Der mächtige Fluss mit den zahlreichen Sagen und Geschichten, die sich um ihn ranken, hat im Lauf der Jahrhunderte viel erlebt, strahlende Tage und bittere Momente. Vieles davon ist im Brauchtum erhalten geblieben, der Film zeigt zahlreiche Beispiele. Ob Kirmes oder Karneval, Schützenfeste oder Prozessionen, die Tradition ist bis heute höchst lebendig.

Entlang der Großstädte präsentiert sich der Strom von seiner unromantischen Seite, hier steht die Industrie im Mittelpunkt. Köln mit den Ford-Werken, Leverkusen mit den Bayer-Betrieben, Düsseldorf und Duisburg mit ihren Häfen: Der Film zeigt mit eindrucksvollen Bildern Ausschnitte rheinischer Industriegeschichte. Krefeld erlebte damals seine textile Blütezeit, auch in Hüls gab es zahlreiche Hauswebereien.

In seinem weiteren Verlauf durchquert der Fluss den klassischen Niederrhein, der sich eher entspannt gibt: Weite Landschaften, Kopfweiden und grasende Kühe prägen das Bild. Und dann natürlich der niederrheinische Mensch: Der Film bietet tiefe Einblicke in sein Seelenleben, das freilich bis heute noch nicht bis in seine letzten Winkel erforscht ist.

Am Ende des Abend gab es viel Applaus des interessierten Publikums. „Das zeugt vom hohen Stellenwert der Kultur- und Heimatpflege“, sagt Rainer Nabbefeld, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins.

Text : Heiner Deckers

Einweihung Hinweistafel alter juedischer Friedhof

Einweihung der Hinweistafel Alter jüdischer Friedhof

Nach langen Bemühungen durch den Heimatverein Hüls in Zusammenarbeit mit dem dem Verein Lebenswertes Hüls und mit finanzieller Unterstützung der Hülser Bezirksvertretung konnte am Sonntag (12.10.2025) die Hinweistafel zum alten jüdischen Friedhof enthüllt werden.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Dr. Thomas Delschen und Bezirksvorsteher Thorsten Hansen empfingen mittags in den Heimatstuben Rabbi Wagner und Samuel Naydych von der jüdischen Gemeinde Krefeld und Sibylle Kühne-Franken vom NS-Dokumentationszentrum Villa Merländer. Auch über den Besuch von Leon Kaufmann, einem Nachfahren der jüdischen Hülser Familie Kaufmann, konnte man sich freuen.

Thomas Delschen, Vorsitzender des Heimatverein Hüls begrüßte die geladenen Gäste in der guten Stube des Heimatvereins. Er erläuterte noch mal kurz die Geschichte des Friedhofs. Hinter den Häusern auf der Klever Straße im Bereich zwischen Bottermaat und Kauffmansstraße befanden sich früher sowohl der jüdische Friedhof als auch die Synagoge.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Friedhof außerhalb der damaligen Bebauung angelegt und diente bis 1890 der Bestattung jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Als er vollständig belegt war, kaufte die jüdische Gemeinde 1891 ein Grundstück am heutigen Strathhof und legte dort den neuen jüdischen Friedhof an.

Als die jüdische Gemeinde das Grundstück des alten Friedhofs 1937 verkaufte, wurden die dort noch vorhandenen Grabsteine entfernt und vermutlich in oder bei der nahegelegenen Synagoge gelagert. Nach deren Zerstörung in der Reichspogromnacht wurden sie zerschlagen und im Hülser Bruch als Bau- und Drainageschutt verwendet. 2017 wurden Grabsteinreste wiederentdeckt, sie befinden sich jetzt auf dem neuen jüdischen Friedhof am Strathhof. Im Rahmen der Diskussionen um den Bebauungsplan 550 rückte auch der alte jüdische Friedhof wieder in das Bewusstsein. Das Gelände ist ein eingetragenes Bodendenkmal, ist aber nicht frei zugänglich, da es sich auf Privatgelände befindet. Damit es nicht wieder in Vergessenheit gerät, kam schnell die Idee auf, eine Hinweistafel anzubringen.

Bezirksvorsteher Thorsten Hansen freute sich besonders, dass auch ein Nachfahre der jüdischen Familie Kaufmann aus den Niederlanden angereist ist. Leon Kaufmann erzählte aus der bewegenden Geschichte seiner Familie. Vorfahren von ihm müssen auf dem Friedhof beerdigt sein. Rabbi Wagner führte aus, dass der Respekt vor den Toten ein hohes Gut in der jüdischen Kultur ist. Die Hinweistafel zeigt, dass die Vergangenheit nicht ausgelöscht ist.

Nach den einführenden Worten begab man sich gemeinsam mit den Gästen zum Haus Klever Straße 46 zur Enthüllung der Hinweistafel, die wenige Tage zuvor angebracht worden war.

Foto : Hülser Mitteilungen
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